VERDAUUNGS-MYTHEN – WAS STECKT DAHINTER?

Erfolgreiche Ernährungsumstellung

Manche Annahmen zum Wohlergehen von Magen und Darm werden von einer Generation zur nächsten übertragen und erscheinen uns wie gesichertes Allgemeinwissen. Doch längst nicht alles, was für uns auf den ersten Blick plausibel klingt, ist es auch. Drei gängige Irrtümer über die Wirkung von Schnaps, Cola und Milch - und was dahintersteckt.

Verdauungsmythos 1: Salzstangen und Cola helfen bei Durchfall

Bei Durchfall verliert der Körper größere Mengen Wasser und Elektrolyte, unter anderem auch Elemente wie Kalium. Über einen langen Zeitraum glaubten selbst manche Ärzte, mit Cola und Salzstangen den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust ausgleichen zu können. Zwischenzeitlich gilt es aber als wissenschaftlich gesichert, dass der hohe Zuckeranteil in der Cola die Wasserabgabe aus dem Körper ins Darminnere sogar noch verstärkt - und damit den Durchfall sogar noch verschlimmert. Außerdem regt das Koffein die Nieren zu erhöhter Kaliumausscheidung an.

Salzstangen schaden zwar nicht, liefern jedoch kaum Kalium oder andere Mineralstoffe, sondern vor allem Natrium. Empfehlenswerter gegen Durchfall sind spezielle Elektrolytlösungen, die es in jeder Apotheke zu kaufen gibt. Diese enthalten Wasser, Zucker und Salze in perfekter Konzentration, so dass der Körper sie gut aufnehmen kann.

Ich empfehle Euch, das auf der Packung angegebene Mischungsverhältnis genau einzuhalten. Warum? Weil eine zu hohe Konzentration den Durchfall sonst verstärkt.

Verdauungsmythos 2: Milch neutralisiert Magensäure

Wenn saurer Magensaft in der Speiseröhre aufsteigt, kann es zu einem überaus unangenehmen Gefühl kommen: Sodbrennen. Als Gegenmittel wird empfohlen, Milch zu trinken – weil sie angeblich die Säure neutralisiere. Das aber ist Unsinn: Milch ist vielmehr selbst schon leicht sauer. Dass ein Schluck Milch bei akutem Sodbrennen dennoch oft lindernd wirkt, liegt schlicht daran, dass die Flüssigkeit die Speiseröhre frei von der Säure aus dem Magen spült. Dieser Effekt liesse sich allerdings mit einem Glas Leitungswasser wesentlich besser erzielen.

Eine Studie der University of Texas an knapp 400 Probanden legt sogar nahe, dass der Genuss von Milch das Risiko für die Entstehung von Sodbrennen erhöhen kann – vermutlich aufgrund ihres Fettgehalts. Als wirksames Mittel gegen Sodbrennen hat sich in verschiedenen Studien Kaugummikauen bewährt: Es regt die Produktion von Speichel an – und der wirkt im Gegensatz zu Milch tatsächlich neutralisierend.

Verdauungsmythos 3: Schnaps fördert die Verdauung

Hochprozentiger Alkohol nach dem Essen kann das unangenehme Völlegefühl nach einem zu üppigen Mahl zwar reduzieren, fördert aber nicht die Verdauung. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Er verzögert sie sogar. Warum? Alkohol wirkt nachweislich entspannend auf unsere Muskeln, auch jene in der Magenwand. Und normalerweise kneten die Magenmuskeln das Gegessene nach dem Essen durch, aber der Alkohol lässt sie ja nun erschlaffen. Der Nahrungsbrei liegt anschließend länger im Magen und wird langsamer in Richtung Darm befördert. Verdauungsprobleme können die Folge sein.

Einzig bestimmte Aperitifs wie Sherry oder Anisschnaps vermögen – allerdings etwa eine halbe Stunde vor dem Essen eingenommen – unter Umständen die Verdauung zu verbessern. Das liegt an den darin enthaltenen Bitterstoffen, die Magen, Leber und Gallenblase anregen, Verdauungssäfte auszuschütten. Wesentlich besser aber lässt sich dieser Effekt mit einem Glas Bitter Lemon oder Grapefruitsaft erzielen – denn die sind frei von Alkohol.

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Posted by Michael Stranak